Wohnmobil Batterien: Typen, Tipps & Basiswissen

Wohnmobil Batterien Typen

Eine gute Wohnmobil Batterie ist essenziell für die reibungslose Energieversorgung eines Campers, besonders für Freisteher. Lerne alles wichtige zur Funktionsweise und die Vor- & Nachteile der unterschiedlichen Batterie-Typen. Nicht jede Batterie eignet sich gleichermaßen als Versorgungsbatterie.

Definition: Was ist eine Versorgungsbatterie?

Egal ob Versorgungsbatterie, Wohnmobilbatterie, Bordbatterie oder Aufbaubatterie, gemeint ist immer die Batterie, welche den Wohnraum des Wohnmobils oder Caravans mit Strom versorgt. Im Gegensatz dazu versorgt die sogenannte Starterbatterie ausschließlich die Fahrzeugtechnik.

Wohnmobil Batterien für den Aufbau sind in der Regel als zyklenfeste Akkus aufgebaut. Im Vergleich zu Starterbatterien befinden sich im Inneren von Aufbaubatterien dickere Bleiplatten, was sie wesentlich langlebiger macht. Durch diese Anpassung sind sie für die stetige Energieentnahme mit vergleichsweise kleinen Strömen optimiert.

Auch dem Begriff „Solarbatterie“ begegnet man öfters. Dabei handelt es sich jedoch um nichts Weiteres als ein Marketingbegriff. Diese Bezeichnung sagt nichts darüber aus, wie gut sich die Batterie für den Solarbetrieb eignet. Manch eine Solarbatterie entpuppt sich sogar als qualitiv Minderwertig.

Anforderungen: Das sollte eine Wohnmobilbatterie leisten

Was eine gute Wohnmobilbatterie leisten muss, hängt stark vom eigenen Reiseverhalten ab. Liebhaber von Stell- und Campingplätzen mit Landstrom, können mit einer günstigen 100Ah Blei-Säure-Batterie schon bestens bedient sein. Freisteher sowie Power-User allerdings, sollten vielleicht besser zu einer modernen Lithium-Batterie greifen. Mehr zu den Batterie-Typen gleich.

Liste: Die wichtigsten Anforderungen an Versorgungsbatterien

  • Reichlich Kapazität: Diese sollte ausreichen um alle Elektrogeräte über eine gewisse Zeit autark betreiben zu können.
  • Genug Power: Gegegebenfalls sollten auch stromhungrigere Geräte wie Staubsauger oder Kaffeemeschinen betrieben werden können.
  • Geringes Gewicht: Je nach Wohnmobil spielt das Gewicht der Batterie eine Rolle.
  • Gute Haltbarkeit: Natürlich sollte sich die Anschaffung auch auf lange Sicht bezahlt machen.

Batterie-Typen: Nass, GEL, AGM & LiFePO4

Um herauszufinden welcher Batterie-Typ für Dich der richtige ist, stell ich dir die vier wichtigsten Arten einmal vor. Diese unterscheiden sich teilweise sehr stark voneinander und bringen alle spezifische Vor- & Nachteile mit sich.

Nassbatterie

Nassbatterie 12v wartungsfrei

Diese Art der Batterie wird auch häufig als „Blei-Säure-Batterie“ bezeichnet. Sogenannte „Solarbatterien“ sind häufig genau solche Batterien. Optisch ähneln sie einer Starterbatterie, der Unterschied liegt allerdings im Inneren. Sie verfügen nämlich über dickere Bleiplatten mit einer besonderen Legierung, was sie langlebiger als herkömmliche Nassbatterien aus dem KFZ-Handel macht.

Nassbatterien sind besonders günstig in der Anschaffung. Bezieht man allerdings die Lebensdauer und die entnehmbare Energie mit ein, ist sie die teuerste Batterieform in diesem Vergleich. Des weiteren können beim Laden Gase austreten, wodurch eine Belüftung nach draußen erforderlich ist. Bei nicht wartungsfreien Modellen muss darüber hinaus der Säurespiegel im Auge behalten und ggf. destilliertes Wasser nachgefüllt werden.

Sie sind in der Lage kurzzeitig hohe Ströme abzugeben, nichts desto trotz sind sie vor allem für mäßige Belastungen geeignet.

Vor- & Nachteile von Nassbatterien

Vorteile

  • Einfache Ladetechnik ausreichend
  • Geringe Anschaffungskosten
  • Hohe Ströme

Nachteile

  • Ggf. höherer Wartungsaufwand
  • Batteriesäure kann auslaufen
  • Während der Nutzung entstehen Gase
  • Sehr geringe Zyklenfestigkeit (400 Zyklen bei 50% DoD)
  • monatliche Selbstentladung von 1-3 %
  • Memory-Effekt

Empfehlung: Nassbatterien eignen sich bedingt bei geringem Stromverbrauch und wenn das Wohnmobil meist mit dem Landstrom verbunden ist.

Produktempfehlungen

Nass- (Blei-Säure-) Batterie ~100Ah
Nass- (Blei-Säure-) Batterie ~200Ah

Gel-Batterie

Ective Gel-Batterie 12v 230Ah

Diese Batterieform ist die aktuell am weitesten verbreitete Wohnmobil Batterie. Der Grund dafür ist unter anderem der, dass sie von den meisten Wohnmobil-Herstellern ab Werk verbaut werden. Sie gehören zur Gruppe der VRLA-Batterien (Ventil-Regulated-Lead-Acid), welche im Grunde weiterentwickelte Blei-Batterien mit einem geschlossenen Gehäuse sind.

Wie der Name bereits vermuten lässt ist die Batteriesäure mittels Kieselsäure Gel-förmig gebunden, woraus eine größere Unempfindlichkeit gegen Vibrationen und die Fahrzeuglage resultiert. Außerdem besitzen sie häufig eine Kapselung, die jegliches Austreten des Gels zusätzlich verhindert.

Aufgrund des erhöhten Innenwiderstandes von Gel-Batterien, können sie keine sonderlich hohen Ströme auf einmal abgeben. Trotzdem eignen sich gut als Service-Batterie, da sie einen sicheren Betrieb gewährleisten, doch ausreichend Strom liefern und mit die längste Lebendauer haben. Darüber hinaus können sie in fast allen (auch älteren) Wohnmobilen ohne weiteres Zutun verbaut werden.

Vor- & Nachteile von Gel-Batterien

Vorteile

  • Unempfindlich gegenüber Vibrationen & Schräglage
  • Nahezu wartungsfrei
  • Keine Ausgasung
  • Vergleichbar stabile Spannung
  • Für eine Nicht-Lithium-Batterie Lange Lebensdauer (750-900 Zyklen bei 50% DoD)
  • Externe Belüftung für gewöhnlich nicht erforderlich

Nachteile

  • Hohe Ströme möglich, aber empfohlen nur max. 0,3C bzw. 30% der Kapazität
  • Braucht länger als AGM um aufgeladen zu werden
  • Empfindlich gegen hohe Temperaturschwankungen

Empfehlung: Gel-Batterien eignen sich für die stetige Versorgung von alltäglichen Verbrauchern die eher weniger Stromhungrig sind (Kühlschrank, TV, Laptop, Beleuchtung etc.). Unter den Batterien auf Blei-Säure-Basis hat die Gel-Batterie die höchste Lebensdauer. Ideal für den Durchschnittscamper mit geringem Budget.

Produktempfehlungen

Gel Batterie ~100Ah
Gel Batterie ~200Ah

AGM-Batterie

Varta AGM Batterie 12v 95ah

Auch die AGM-Batterie (Absorbed Glass Mat) ist eine Konstruktionsform der Blei-Säure-Batterien. Und wie die Gel-Batterie gehört auch die AGM-Batterie zur Gruppe der VRLA-Batterien (Ventil-Regulated Lead-Acid), die eine weiterentwickelte und geschlossene Form der Blei-Batterien sind.

Die Batteriesäure wird in Glasfaser-Fliesmatten zwischen den Bleiplatten gebunden, was einen langeunabhängigen Einbau ermöglicht. Aufgrund ihres geringen Innenwiderstands können sie besonders hohe Ströme abgeben und aufnehmen. Aus diesem Grund werden sie häufig als Starterbatterie, besonders bei Fahrzeugen mit Start-Stopp-Automatik, verwendet.

Die herkömmliche Bordelektronik von Wohnmobilen kann in der Regel auch mit AGM-Batterien umgehen.

Vor- & Nachteile von AGM-Batterien

Vorteile

  • Hochstromfähig (empfohlen bis 0,4C 40% der Kapazität)
  • Auslaufsicher und verkraftet Schräglagen
  • Unanfällig für Vibrationen
  • Hohe Kältestabilität
  • Nahezu wartungsfrei
  • Unempfindlicher gegen Tiefentladung
  • Schnelle Ladezeit

Nachteile

  • Hitzeempfindlich
  • Etwas weniger Zyklenfest als GEL-Batterien (550-650 Zyklen bei 50% DoD)

Empfehlung: AGM Batterien eignen sich für Camper mit besonders stromhungigen Geräten wie große Staubsauger, Kaffeemaschinen oder Elektroherde. Auch für Wintercamping-Fans können sie die richtige Wahl sein, weil niedrige Temperaturen die Leistung der Batterie nicht beeinflussen.

Produktempfehlungen

AGM Batterie ~100Ah
AGM Batterie ~200Ah

LiFePO4 (Lithium)-Batterie

LiFePO4-Batterie 12v 100Ah

Lithium Batterien sind das Beste was der Markt aktuell zu bieten hat. Bei diesen Batterie-Typen bildet Lithium die Grundlage. Für Wohnmobile haben sich die sogenannten LiFePO4 (Lithium-Eisenphosphat)-Batterien durchgesetzt – eine Unterform der Lithium Batterien. Sie haben eine geringere Energiedichte als andere Lithium-Batterien, sind jedoch wesentlich sicherer.

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Lithium-Batterien überzeugen durch ihre, im Vergleich zu anderen Batterien, besonders hohe Energiedichte. Sie können nämlich zu 100% entladen werden, ohne dabei nennenswert Schaden zu nehmen. Weitere Vorteile sind die besonders hohe Belastbarkeit, das geringe Gewicht und die allgemein deutlich höhere Zyklenfestigkeit bzw. Lebensdauer. Für besonders kalte Temperaturen eignen sich übrigens sogenannte LiFeYPO4-Batterien, wobei das Y für „Yttrium“ steht. Mehr über LiFeYPO4-Batterien

Vermutlich aufgrund des steigenden Wettbewerbs, ist die Preisspanne zwischen Blei-Säure- und Lithium-Batterien deutlich geschrumpft. Auch deshalb entscheiden sich immer mehr Camper für eine solche Batterie.

Vor- & Nachteile von LiFePO4 Batterien

Vorteile

  • Auch dauerhaft Hochstromfähig (bis 3C = 300% der Kapazität)
  • Extrem schnellladefähig
  • Hohe Energiedichte (gutes Leistungsgewicht)
  • Hoher Wirkungsgrad
  • Sehr stabile Entladespannung auch bei höchster Beanspruchung
  • Voll Tiefentladefähig
  • Extrem Zyklenfest (3000-6000 Zyklen)
  • ca. 50% weniger Gewicht gegenüber einer GEL Batterie
  • Enthält keine Säure oder Schwermetalle
  • Nicht explosiv oder brennbar
  • Geringe Selbstentladung
  • Weniger anfällig für Handhabungsfehler (Tiefenentladung, Sulfatisierung)

Nachteile

  • Hohe Anschaffungskosten
  • Modernste Ladetechnik erforderlich
  • Ohne weiteres nicht für Temperaturen unter 0°C geeignet
  • Umweltbelastung durch Lithium-Abbau

Empfehlung: Mit einer LiFePO4 Batterie fahren Power-User definitiv immer am günstigsten. Zudem spart man rund 50% Gewicht bei gleicher Kapazität, was bei Wohnmobilen und Caravans die entscheidenen Kilos ausmachen kann (Stichwort: zulässiges Gesamtgewicht).

Produktempfehlungen

LiFePO4 Batterie 100Ah
LiFePO4 Batterie 200Ah

Grafik: Batterie-Typen im tabellarischen Vergleich

Batterie-Typen im tabellarischen Vergleich - Nass, AGM - Gel & LiFePO4
Batterie-Typen im tabellarischen Vergleich – Nass, AGM – Gel & LiFePO4

So findest Du die richtige Batterie

Nachdem Du nun weißt welche Eigenschaften die üblichen Wohnmobil Batterien aufweisen, hast Du hoffentlich den für Dich am geeignetsten Akku-Typ gefunden. Jetzt stellt sich noch die Frage welche Batteriegröße es sein soll – 100Ah, 200Ah oder besser noch größer?

Den eigenen Strombedarf bilanzieren

Die Ermittlung des persönlichen Strombedarfs ist die Grundlage für die Planung der Batterie und allen anderen elektrischen Umbauten. Keine Sorge, so schwer wie das vielleicht klingt ist das gar nicht. Liste dafür einfach die Leistungsaufnahmewerte (in Watt) aller elektrischen Verbraucher auf, und multipliziere sie mit der jeweiligen typischen Einschaltdauer (in Stunden).

Hier ein kurzes Rechenbeispiel

  • Kompressor-Kühlschrank: 50 Watt * 8 Stunden (läuft nicht permantent) = 320 Wh
  • Licht: 10 Watt * 4 Stunden = 40 Wh
  • Laptop: 50 Watt (Verbrauch, nicht Ladeleistung!) * 2 Stunden = 100 Wh
  • TV: 40 Watt * 2 Stunden = 80 Wh
  • Gesamt: 540 Wh / 12V (Batteriespannung) = 45 Ah täglicher Strombedarf

In diesem Fall würde eine 45Ah LiFePO4 bzw. 90Ah Gel-, AGM oder Nassbatterie theoretisch ausreichen. Hinzu kommt noch ein gesunder Puffer und eine Reserve für Schlechtwetterperioden. Um die Lebensdauer der Batterie zu erhöhen, würde ich zusätzlich noch einmal mindestens 30% drauf rechnen – dazu weiter unten mehr.

Ich persönlich würde in diesem Szenario mindestens eine 100Ah LiFePO4- bzw. 200Ah Blei-Batterie auswählen, um zwei Tage ganz ohne weitere Stromzufuhr (Landstrom, Solar, Lichtmaschine) auszukommen.

Beim Fiat Ducato, Citroen Jumper oder Peugeot Boxer darf die Untersitz-Batterie nicht höher als 19cm sein. Viele Batteriehersteller setzen auf „DIN Standardmaße“ mit einheitlichen Maßen, Polen und Bodenleisten zur Befestigung. Die optimalen DIN Normen (Größen) sind H7 (318 x 175 x 190mm) und H8 (355 x 175 x 190mm).

Die optimalen Untersitz-Batterien für den Ford Nugget oder VW T5 & T6, sind Modelle mit den Abmessungen nach DIN Norm H7 (318 x 175 x 190mm).

Die beste Wohnmobil Batterie für den Solarbetrieb

Du hast eine Solaranlage oder PV-Anlage (wie es eigentlich richtig heißt) auf dem Dach? Gut, denn heutige PV-Module sind wirklich leistungsstark und können Wohnmobile komplett stromunabhängig machen. Doch welche Batterie eignet sich dafür? Die kurze Antwort: Jede! Aber natürlich gibt es auch hier Unterschiede, wäre auch zu einfach – haha.

Lithium-Batterie für die optimale Ausbeute

Eine Lithium-Batterie, wie die LiFePO4, schneidet auch bei diesem Punkt am besten ab. Der Grund dafür ist einfach: Sie können permantent mit voller (PV)-Leistung geladen werden. Bei anderen Batterien befindet sich der Solarladeregler, bei richtiger Einstellung, mehrere Stunden am Tag in der soganannten Absorptionsphase. Während dieser Phase lädt ein guter Solarladeregler die Batterie schonend & langsam (erhöhte Spannung, wenig Strom), um sie nicht zu schädigen. Diese Phase fällt bei Lithium-Batterien weg.

Bei großen Batterien und/oder viel PV-Leistung macht sich dieser Punkt besonders bemerkbar. Sobald eine Nass-, AGM- oder Gel-Batterie schonend geladen wird, kann die Solaranlage noch so groß sein, die Batterie wird trotzdem nur langsam geladen.

Gel-, AGM- & Nassbatterien sind verschwenderisch

Diese Akku-Typen nutzen ggf. nur einen Bruchteil der eigentlich verfügbaren PV-Leistung. Besonders Gel-Batterien (sollten) sich lange in der sogenannten Absorptionsphase befinden, um sie optimal zu laden. Hier ein Screenshot aus der App meines Victron Solarladereglers in Kombination mit einer Gel-Batterie:

Abs steht für die Absorbtionsladung. Wie hier zu erkennen ist, wird die Batterie oft zu einem Großteil des Tages schonend geladen. Nur an Tagen mit sehr wenig Sonne lädt der Laderegler immer mit voller Leistung, was auf Dauer jedoch der Batterie schadet.
Abs steht für die Absorptionsladung. Wie hier zu erkennen ist, wird die Batterie oft zu einem Großteil des Tages schonend geladen. Nur an Tagen mit sehr wenig Sonne lädt der Laderegler automatisch mit voller Leistung, was auf Dauer jedoch der Batterie schadet.

Ein guter Solarladeregler ist essenziell

Nur mit einem vernüftigen Solarladeregler können die teuren Batterien lange & gute Dienste erweisen. Ich zum Beispiel habe mich für einen MPPT Solarladeregler von Victron entschieden, denn dieser bietet zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten und Einblicke in die Leistungswerte. Letzteres ist wirklich super für Zahlenfreaks (wie mich), die ständig wissen wollen wie viel Solarstrom gerade reinkommt.

Der Regler hat meine Gel-Batterie sogar schon einmal vor dem Tode bewahrt. Die Standardeinstellungen des Victron-Reglers für Gel-Batterien, waren nicht optimal für meine Gel-Batterie von Ective. Wenige Tage nachdem ich zusammen mit einem Experten den Regler neu eingestellt hatte, hat sich die Batterie wieder gefühlt komplett erholt. Vorher hatte ich wirklich gedacht die ist platt. Der Grund für das Problem: Der Regler befand sich kaum im Absorptionsmodus, wodurch die Batterie immer mit voller Leistung (Bulk-Ladung) geladen wurde. Hier mein Instagram-Post dazu: https://www.instagram.com/p/CWtI62Aochm/

Victron Solar Laderegler

Für Anlagen mit bis zu 220 Watt Solarleistung: Victron Energy SmartSolar MPPT 75/15*
Für Anlagen mit bis zu 450 Watt Solarleistung: Victron Smartsolar MPPT Laderegler 100/30*
Für Anlagen mit bis zu 700 Watt Solarleistung: Victron Energy SmartSolar MPPT 100/50*

(Die Angaben in Watt beziehen sich auf Systeme mit 12V Batterien. Bei 24V Batterien sind die Regler jeweils für das doppelte geeignet)

Eine 100Ah Batterie braucht mit einem 100W Solarpanel etwa 8 Stunden bei voller Sonneneinstrahlung, um komplett aufgeladen zu werden. Bei LiFePO4 Batterien weicht dieser Wert allerdings etwas ab, weil dieser Akku-Typ die volle Kapazität nutzen kann. Weil sie jedoch jederzeit mit voller Leistung geladen werden können, laden sie im Vergleich spürbar schneller.

Die kurze Antwort: Nein. Zum einen gibt es Solarpanele mit unterschiedlichen Spannungen (meist 12 oder 48V). Bei mehreren in reihe geschalteten Solarpanelen, kann die Spannung sogar weit über 100V gehen, was eine 12V Batterie zerstören würde.

Ein weiteres Problem ist, dass Solarpanele nicht wissen wann die Batterie voll aufgeladen ist. Ein zwischengeschalteter Solarladeregler überwacht auch die Batterie und passt die Ladespannung sowie den Ladestrom optimal an.

Anleitung: Wohnmobil Batterie wechseln

Eine Wohnmobil Batterie auszutauschen ist kein Hexenwerk und kann auch von Laien mit einem gewissen Grundwissen selbst erledigt werden. Folgendes muss beachtet werden:

  • Beim Abklemmen der alten Batterie erst den Minus-Pol (schwarzes oder blaues Kabel), dann den Plus-Pol (rotes Kabel) von der Batterie abklemmen.
  • Beim Anklemmen der neuen Batterie genau anders herum.

Batterie & Ladetechnik müssen zusammenpassen

Soll ein anderer Batterie-Typ als bisher in das Wohnmobil eingebaut werden, muss vorher sichergestellt werden, dass die Ladetechnik für diesen neuen Batterie-Typen geeignet ist. Beim Umstieg auf eine LiFePO4 Batterie ist häufig ein Upgrade von Solarladeregler & Ladebooster vonnöten.

Hilfreiche Videoanleitung zum wecheln einer Wohnmobil Batterie

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Wichtige Fachbegriffe & Kenngrößen

Bis hierhin sind schon so einige Fachbegriffe und Kenngrößen in diesem Artikel gefallen. Deshalb möchte ich in diesem Abschnitt einmal die wichtigsten von ihnen erläutern.

Der C-Koeffizient

Auf Bleibatterien findest Du Angaben wie C1, C5, C10 und so weiter. Diese Angabe beschreibt, mit welcher Stromstärke eine Batterie ge- bzw. entladen wird. Diese Ladeströme werden auf die maximale Kapazität der Batterie bezogen. Kurz erklärt:

  • 1C bedeutet, dass die Batterie innerhalb einer Stunde komplett ge- oder entladen werden kann.
  • Ein C-Koeffizient kleiner als 1 bedeutet, dass es länger als einer Stunde dauert und ist er größer als 1, dauert es weniger als eine Stunde.
  • Eine 1C-Batterie mit 100Ah nimmt zum Beispiel für eine Stunde konstant bis zu 100A ab oder auf. Bei einer 2C-Batterie mit 100Ah entspräche das 30 Minuten lang 200A und bei einer 0,5C-Batterie mit ebenfalls 100Ah gäbe das 50A für zwei Stunden.

Erfahre hier mehr über den C-Koeffizient

Die 4 Spannungsformen von Batterien

Ladeschlussspannung

Die Ladeschlussspannung darf während des Ladevorgangs besser nicht überschritten werden, weil es sonst zu Gitterkorrosion kommt, die Batterie ausgasen und Schaden nehmen würde. Während Nassbatterien eine kurzzeitige Überschreitung halbwegs verkraften, reagieren Gel-, AGM- und LiFePO4-Batterien extrem sensibel. Sie liegt je nach Hersteller bei 14,4V bis 14,7V.

Erhaltungsspannung

Die Erhaltungsladung beschreibt die Spannung, die das Ladegerät halten soll nachdem eine Batterie aufgeladen ist. Damit wird einer Selbstentladung der Batterie entgegengewirkt. Sie ist bei allen Batterietypen ähnlich und schwankt je nach Hersteller zwischen 13,2V und 13,8V.

Entladeschlussspannung

Die Entladeschlussspannung ist die Spannung, die beim Entladen besser nicht unterschritten werden sollte. Andernfalls kommt es zur Tiefenentladung und wird nachhaltig geschädigt. Lithium-Batterien werden davor jedoch in der Regel durch das integrierte Batteriemanagementsystem (BMS) geschützt.

Ruhespannung / Leerlaufspannung

Die Ruhespannung, auch Leerlaufspannung genannt, ist die Spannung, die eine Batterie hat, wenn sie nicht ge- und entladen wird. Sie braucht jedoch erst ein paar Minuten um sich einzupendeln. Im Anschluss ist sie ein ungefähres Maß für den Ladezustand der Batterie. Gilt nicht für Lithium-Batterien.

Die 3 Ladephasen von Ladereglern

Gute (Solar-)Laderegler haben unterschiedliche Ladephasen, die optimal auf die angeschlossene Batterie abgestimmt sind. Bei hochwertigen Geräten lassen sich diese Phasen meist über eine App modifizieren. Die drei Ladephasen sind:

  1. Bulk (Hauptladung): Die Batterie wird mit einem hohen Strom schnell geladen.
  2. Absorption (Zwischenladephase): Das Ladegerät liefert eine konstant erhöhte Ladespannung, während der Ladestrom langsam zurück geht.
  3. Float (Erhaltungsladung): Das Ladegerät versorgt die Batterie mit genügend Strom, sodass sie nicht entlädt.

Ladezyklus & Zyklenfestigkeit

Ein Ladezyklus ist eine vollständige Be- & Entladung der nutzbaren Kapazität einer Batterie. Bei Lithium-Batterien entspricht das also einer Ladung von 0% auf 100% und anders herum. Bei anderen Batterien geht man von ungefähr 50% auf 100% und anders herum aus.

Die Zyklenfestigkeit einer Batterie beschreibt, wie viele Zyklen sie durchlaufen kann, ohne dabei nenenswert an Kapazität zu verlieren. Danach ist die Batterie aber noch nicht defekt, sondern hat nur merklich an Kapazität verloren bzw. ist weniger Leistungsstark.

Lebensdauer einer Wohnmobil Batterie verlängern

Wie hoch die Lebensdauer einer Wohnmobil Batterie tatsächlich ist, hängt von fünf Faktoren ab:

  1. Um welchen Batterie-Typ handelt es sich (Nass, AGM, Gel oder LiFePO4)?
  2. Wie gut ist die Verarbeitungsqualität bei der Herstellung?
  3. Welche Ladeelektronik wird verwendet & wie ist sie konfiguriert?
  4. Für welchen Verwendungszweck wurde die Batterie optimiert?
  5. Wie behandelt & nutzt der Endkunde die Batterie?

Gerade der letzte Punkt wird oft (unwissendlich) vernachlässigt, was auch damit zu tun hat, dass sich viele damit nicht beschäftigen (wollen).

Nicht die volle Kapazität nutzen

Batterien haben bestimmte Wohlfühlzonen, also Ladestände, in denen sie sich am wohlsten fühlen. Während Bleibatterien (also Nass-, Gel- & AGM) am liebsten voll aufgeladen sind, fühlen sich LiFePO4-Batterien bei einem Ladestand von 50% am wohlsten. Je weiter eine Batterie davon abweicht, desto mehr wirkt sich das negativ auf ihre Lebensdauer aus. Besonders wenn eine Batterie lange nicht benutzt wird, bspw. beim Überwintern, sollte sie sich in ihrer Wohlfühlzone befinden.

Bei guten Lithium-Batterien lässt sich über das BMS (meist per App) einstellen, bis wie viel Prozent sie aufgeladen bzw. entladen werden soll, bis sie sich abschaltet. Bei anderen Batterien muss man mit externen Mess-Shunts oder/und Spannungswächtern arbeiten.

Batterie Entladetiefe Wohlfühlzonen
Diese Grafik zeigt, wo sich Batterien am wohlsten fühlen. Je mehr eine Batterie im grünen Bereich zirkuliert, desto länger ihre Lebensdauer.

Bei der Entladetiefe spricht man auch vom sogenannten „DoD“ (Depth of Discharge). Dieser Wert beschreibt wie stark eine Batterie im Verhältnis zu ihrer Kapazität entladen wird.

Richtig laden & entladen

Um eine Batterie vernüftig aufzuladen sind gute Ladegeräte unersetzlich. Sie können optimal auf die Batterie und das Nutzerverhalten eingestellt werden. Grundsätzlich gilt es hohe Ströme zu vermeiden, egal ob beim laden oder entladen. Der Grund dafür ist die dadurch steigende Temperatur im Innen der Batterie. Wärme, aber auch Kälte, schadet jedem Akku-Typ mehr oder weniger. Auch die Umgebungstemperatur spielt hier eine Rolle.

Aber auch die unterschiedlichen Spannungsformen, die ich bereits weiter oben erläutert habe, gilt es einzuhalten. Mit welcher Spannung eine Batterie während der unterschiedlichen Ladephasen geladen wird, wirkt sich ebenfalls auf ihre Lebensdauer auf. Hier lohnt sich ein Blick in das Datenblatt der Batterie.

Die Qualität der Batterie selbst

Natürlich gibt es bei Batterie-Herstellern kleine und große Unterschiede in der Verarbeitungsqualität. Wie hochwertig eine Batterie wirklich ist, kann von außen leider schlecht festgestellt werden. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte bei einem renomierten Hersteller bzw. Händler mit Garantie, Gewährleistung und deutschem Support kaufen. Um mal einige Beispiele zu nennen: Victron Energy, Ective, Varta und Super-B.

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Batterien

Eine LiFePO4 Batterie hat die mit Abstand größte Zyklenfestigkeit von „allen“ Batterien, und damit auch die längste Lebenserwartung. Sie schafft im Schnitt 3000 Zyklen, bei schonendem Umgang sogar bis über 5000 Zyklen, bis sie merklich an Kapazität & Leistung verliert. In einem Wohnmobil halten sie deshalb gut und gerne über 15 Jahre.

Eine AGM-Batterie schafft im durchschnitt 600 Zyklen bei 50% DoD und 400 Zyklen bei 80% DoD (DoD = Entladungstiefe). Je nach Art der Anwendung hält eine AGM-Batterie im Wohnmobil 3-5 Jahre.

Bei der Gel-Batterie verhält es sich ähnlich zur AGM-Batterie. Sie ist im Schnitt aber eher etwas Langlebiger als eine AGM-Batterie. Bei 50% DoD (Entladungstiefe) schafft sie etwa 800 Zyklen, bei 80% DoD dagegen nur rund 500.

Die Nassbatterie hat mit die geringste Lebensdauer von allen Batterien. Nach nur 400 Zyklen bei 50% DoD (Entladungstiefe) und 300 Zyklen bei 80% DoD, hat sie schon merklich an Kapazität verloren und muss ausgetauscht werden.

Ausblick in die Zukunft: Was kommt nach den Lithium-Batterien?

Die immer stärker werdende Nachfrage nach Elektromobilität, befeuert die Entwicklung von neuen Akku-Technologien so stark wie noch nie. Forscherinnen und Forscher auf der ganzen Welt forschen an neuen und besseren Lösungen. Das hat nicht nur praktische Gründe, denn der Abbau von Lithium erfolgt in weiten Teilen der Erde unter umweltbelastenten Methoden, welche unter viel Wasser erfordern.

Post-Lithium-Systeme

Unter Post-Lithium-Systeme versteht man Akku-Technologien die noch in der Entwicklung stehen bzw. an denen geforscht wird. Es gibt zahlreiche, teilweise vielversprechende Ansätze, Akkus mit oder auch ohne Lithium noch leistungsstärker zu machen.

Ein Ansatz: Aluminium statt Lithium

Am Technologiezentrum Hochleistungsmaterialien (THM) in Freiburg erforscht eine Arbeitsgruppe des Fraunhofer IISB seit etwa 2016 an einer Tellchemie auf Basis von Aluminium statt Lithium. Die bisherigen Erkenntnisse klingen vielversprechend:

  • keine Brandgefährdung
  • Vereinfachter Aufbau, ergo günstiger
  • Alumium als unkritische Ressource und noch nicht einmal eine besondere Qualität von Nöten
  • günstige Elektrolyte auf der Basis von Harnstoff möglich

“In unseren Laborsystemen wurden mit Graphitpulver als Kathode bereits Energiedichten von 135Wh/kg in Bezug auf die Aktivmasse gezeigt. Die Batterie kann in einer Zeit von weniger als 30 Sekunden voll ge- und entladen werden. Der Prozess ist reversibel und wir haben mit den Laborzellen bereits über 10.000 Zyklen mit einer Ladeeffizienz von mehr als 90 Prozent erreicht. Unsere neuesten Ergebnisse zeigen, dass auch noch mehr als doppelt so viele Ladezyklen möglich sind. Das liegt ganz deutlich über dem, was etablierte Lithium-Ionen-Batterien ausweisen. Unsere Zellen funktionieren dabei unter normalen Umgebungsbedingungen und wir arbeiten bereits mit anwendungsrelevanten Zellkonzepten wie Knopfzellen und Pouch-Zellen. Diese Zellchemie hat ein enormes Potential“, betont Ulrike Wunderwald, Leiterin der Arbeitsgruppe Batteriematerialien des Fraunhofer IISB.

Ulrike Wunderwald, Leiterin der Arbeitsgruppe Batteriematerialien des Fraunhofer IISB.

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Wichtige Quellen

2 Gedanken zu „Wohnmobil Batterien: Typen, Tipps & Basiswissen“

  1. Super geschrieben René,
    Jetzt verstehe ich sogar meine Solaranlage, bzw. daß ich aus Geiz wohl doch die falschen Batterien verbaut habe.
    Danke für diese ausführliche Beschreibung! Ich freue mich schon auf weitere Kapitel.
    Gruß Harm

    Antworten

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