Fehler vermeiden

Wohnmobil Reifendruck prüfen und bei Zuladung den teuren Fehler vermeiden

Beim Wohnmobil Reifendruck prüfen gilt mit Zuladung: Stell den Druck nach der gewogenen Achslast ein, nicht nach dem Leerwert oder dem Pkw-Wert. So fährst du nicht mit zu wenig Luft im Reifen.

Von René Kutter Zuletzt aktualisiert · 6 Min. Lesezeit Geprüft am Angaben, Zahlen und Quellen wurden an diesem Tag zuletzt fachlich geprüft.
Eine Person kniet am Hinterrad eines Wohnmobils und setzt einen digitalen Reifendruckprüfer auf das Ventil.
Gemessen wird am kalten Reifen, bevor es losgeht.

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So geht es: Reifendruck am Wohnmobil prüfen und einstellen

Der Druck richtet sich nach der gewogenen Achslast, nicht nach einem Pauschalwert. Der teure Fehler besteht darin, den Druck vom leeren Fahrzeug oder vom Pkw zu übernehmen, obwohl das beladene Wohnmobil deutlich mehr trägt. Bei Wohnmobilen bis 3,5 t liegt der passende Druck laut Vanegade je nach Achslast zwischen 3,5 und 6,0 bar. Diese Spanne zeigt, warum ein einzelner Wert nicht für jede Beladung taugt.

Ein beladenes weißes Wohnmobil mit Fahrradträger steht auf einer Fahrzeugwaage, im Vordergrund hält eine Hand einen Notizzettel.
Die gewogene Achslast bestimmt, welchen Druck du in der Tabelle suchst.
  1. Beladen: Lade das Wohnmobil so, wie du reist, mit Wasser, Gas, Gepäck und Fahrrädern.
  2. Achsweise wiegen: Fahr auf eine Fahrzeugwaage und lass Vorder- und Hinterachse getrennt wiegen. Achsweises Wägen zeigt, wie sich das Ladegewicht auf beide Achsen verteilt (AS Wägetechnik). Frag den Betreiber vorab, ob er achsweise wiegt.
  3. Mit der zulässigen Achslast vergleichen: Die zulässige Last je Achse steht laut DA Direkt in der Zulassungsbescheinigung Teil I in Feld 7. So siehst du, wie viel Luft zur Grenze bleibt.
  4. Tabelle lesen: Such in der Herstellertabelle deine Reifengröße, zum Beispiel 225/75 R16 CP oder 215/70 R15 CP, und lies den Druck zur gewogenen Achslast ab.
  5. Aufschlag addieren: Das Fachportal camper.help empfiehlt, auf den Tabellenwert 0,2 bar aufzuschlagen. Das ist eine Praxisempfehlung und keine Herstellervorgabe.
  6. Kalt einstellen: Stell den Druck vor der Fahrt ein, solange die Reifen kalt sind. Der ADAC rät in seinem Pkw-Ratgeber zu einer Außentemperatur von idealerweise 20 Grad. Dethleffs empfiehlt, den Druck vor der Fahrt oder alle 2 Wochen zu prüfen.
  7. Reserverad nicht vergessen: Miss auch den Druck des Reserverads. E-Trailer nennt das ausdrücklich in seiner Saisonstart-Checkliste.
  8. Gegenprobe machen: Miss nach dem Einstellen jeden Reifen noch einmal, damit du siehst, ob beim Abschrauben des Prüfers Luft entwichen ist.

Fertig.

Sonderfall CP-Reifen an der Hinterachse

Bei CP-Reifen als Einzelbereifung an der Hinterachse empfiehlt Michelin 5,5 bar statt der gewohnten 4,75 bar. CP steht für Camping und kennzeichnet Reifen für Reisemobile. Einzelbereifung heißt, dass an jeder Radposition ein einzelner Reifen sitzt und keine Zwillingsreifen montiert sind.

Das ist ein Beispiel und kein Wert zum Abschreiben: Weichen Tabelle und Michelin-Angabe voneinander ab, gilt, was der Reifenhersteller für deinen konkreten Reifen vorgibt.

Infografik mit zwei Balken für die Hinterachse mit CP-Reifen und Einzelbereifung: gewohnter Druck 4,75 bar, Empfehlung für CP-Reifen 5,5 bar.
Zwei Richtwerte von Michelin im direkten Vergleich.

Folgen von zu wenig Druck

Falscher Reifendruck verursacht übermäßigen Verschleiß, so schreibt es Dethleffs in seiner Wissensdatenbank. Mit Zuladung trägt jeder Reifen mehr Last, deshalb lohnt sich hier die Kontrolle besonders. Der Hersteller rät, den Druck regelmäßig vor der Fahrt oder im Abstand von 2 Wochen zu prüfen.

Vielfahrer können zusätzlich ein Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) nachrüsten. Laut Reisemobil International können solche Systeme Leben retten, die Nachrüstung gelingt problemlos und die Kosten sind überschaubar. Ein RDKS warnt dich während der Fahrt, ersetzt aber nicht die Einstellung nach Achslast.

Was du dafür brauchst und wann es nicht klappt

Du brauchst Zugang zu einer Fahrzeugwaage, die Herstellertabelle zu deiner Reifengröße und einen Reifendruckprüfer, dem du vertraust. Eine Waage in deiner Nähe findest du mit der Waagen-Suche von Essmann: Du gibst deine Postleitzahl ein und bekommst eine Fahrzeugwaage in der Nähe angezeigt. Wiegen kostet Geld. Die Preise unterscheiden sich je nach Betreiber, deshalb erfrag sie vor Ort.

Ein Forumsnutzer rät, auf eine geeichte Waage zu fahren und sich ein Messprotokoll ausdrucken zu lassen. Das ist ein Erfahrungshinweis und keine Vorgabe, hilft dir aber, die Werte später nachzulesen.

Es klappt nicht, wenn die Waage nur das Gesamtgewicht anzeigt oder das Fahrzeug schräg steht. Ein Forumsnutzer weist darauf hin, dass die gemessene Achslast nicht stimmt, sobald das Fahrzeug nach vorn oder hinten geneigt steht. Such dann eine Waage, die achsweises Wiegen anbietet, und stell dich eben darauf. Zum Nachfüllen nutzen manche Camper ein Kompressorgerät für die 12-V-Steckdose. Den Sollwert liefern aber weiter Waage und Tabelle.

Prüfer oder Kontrollsystem

Ein RDKS misst laut Ramto mit Sensoren in den Rädern permanent Druck und Temperatur und sendet die Werte per Funk an einen Empfänger. camper.help warnt davor, die Sensoren auf Gummiventile zu schrauben. Metallventile sind die bessere Basis.

MerkmalHandprüferRDKS
MessungEinzeln am VentilDauerhaft im Rad
Passt fürAlle CamperVielfahrer
HinweisMessbereich über 6 barMetallventile

Für das Einstellen nach Achslast brauchst du in jedem Fall einen digitalen Reifendruckprüfer, der auch hohen Druck genau anzeigt. Achte beim Kauf auf drei Dinge:

  • Messbereich: Er sollte deutlich über den 5,5 bis 6,0 bar liegen, die bei Wohnmobilen vorkommen.
  • Display: Es muss sich gut ablesen lassen, auch bei Morgenlicht oder im Schatten des Aufbaus.
  • Ventilanschluss: Er muss sich sicher aufsetzen lassen, damit beim Messen keine Luft entweicht.

Prüfe vor dem Kauf den aktuellen Preis und die Ausstattung.

AstroAI Digitaler Reifendruckprüfer

AstroAI Digitaler Reifendruckprüfer

Digitaler Reifendruckprüfer für die Kontrolle vor der Fahrt. Damit prüfst du den Druck auch nach dem Beladen schnell an jedem Rad.

Häufige Fragen

Reicht der Reifendruck vom leeren Fahrzeug auch mit Zuladung?

Nein, mit Zuladung musst du den Druck an die gewogene Achslast anpassen. Die Herstellertabelle richtet sich nach Reifengröße und Achslast, nicht nach dem Leerzustand.

Wo kann ich den Reifendruck am Wohnmobil kontrollieren?

Am bequemsten am Stellplatz oder zu Hause mit eigenem Prüfer und, wenn du nachfüllen willst, einem Kompressor für die 12-V-Steckdose. Alternativ geht es an der Tankstelle, am besten nach kurzer Anfahrt, damit die Reifen noch kalt sind.

Wie oft sollte ich den Reifendruck prüfen?

Prüfe ihn vor der Fahrt oder spätestens alle 2 Wochen, so empfiehlt es Dethleffs. Nach einer deutlichen Änderung der Beladung stellst du ihn zusätzlich neu ein.

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René Kutter
Geschrieben von René Kutter

Hat von 2019 bis 2026 in selbst ausgebauten Campern gelebt, zuletzt im Mercedes 814D, und ist gerade vorübergehend als Backpacker unterwegs. Arbeitet als freiberuflicher Webentwickler und teilt hier, was er unterwegs lernt.

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